Sergei Sergejewitsch Prokofjew (1891-1953):

Iwan Grosnyi [Иван Грозный]

deutsch Iwan der Schreckliche / englisch Ivan the Terrible / französisch Ivan le Terrible

Allgemeine Angaben zum Oratorium

Entstehungszeit: 1942-45
Uraufführung: 1961
Besetzung: Sprecher, Soli, Chor und Orchester
Spieldauer: ca. 70 Minuten
Bemerkung: Acht Jahre nach Prokofjews Tod arrangierte Abram Stasewitsch dessen Musik zu Eisensteins Film über Iwan den Schrecklichen zu einem Oratorium. Im Gegensatz zum Film verzichtet das Vokalwerk auf Rückblenden und hält sich an die chronologische Reihenfolge der Ereignisse aus Iwans Leben. Die Musik Prokofjews ist gewaltig und effektvoll. Sie wird der Handlung in vollem Umfang gerecht. Durch einen Chor und die Soli (Bass und Mezzosopran) wird die musikalische Aussage unterstützt. Ein Erzähler gibt seiner Erschütterung über das Geschehen Ausdruck und spricht verbindende Worte, da nur Iwan für sich selbst spricht und Eufrosinia lediglich dem Ozean huldigt und ein Wiegenlied singt. Bemerkenswert ist die Einstudierung des Oratoriums anlässlich der Internationalen Musikfestspiele von Sofia im Jahre 1984. Die Musik schreit geradezu nach Choreographie. Im Jahre 1975 wurde das Ballett „Iwan der Schreckliche“ am Bolschoi-Theater uraufgeführt. Die Bessmertnowa tanzte die Anastasia.

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[Details]
Iwan der Schreckliche (Concert Scenario) (Chandos, DDD, 90)
Serge Prokofieff (1891-1953)

H. Arnold in stereoplay 12 / 91:"Gesangssoli- sten, Chor und Orchester meistern dieses Stück unter der Leitung von Neeme Järvi un- gemein farbig und mit beispielhafter Per- fektion."

Zum Oratorium

Art: Oratorium nach der Biographie Iwan des Schrecklichen
Libretto: Serge Eisenstein (Text), V. Lougocski (Verse)
Sprache: russisch
Ort: Russland
Zeit: 16. Jahrhundert

Handlung

Bevor die Ouvertüre einsetzt, gibt der Erzähler dem Publikum eine kurze Einführung über die Situation der Herrscherhäuser Europas im 16. Jahrhundert. Er nennt die Namen von Karl dem Fünften und Philipp dem Zweiten, Catharina von Medici und den Herzog von Alba, Heinrich den Achten und Maria Tudor. Erwähnt werden die Gräuel der Inquisition und die Massaker der Bartholomäus-Nacht. Die Einführung berichtet enthusiastisch von dem großen Prinzen in Moskau, der den Thron einnimmt und als erster den Zarentitel führt. Herrscher ist er über ganz Russland, der Nachwelt bekannt unter dem Namen „Iwan der Schreckliche“.

1. Ouvertüre mit Chor
Der Chor nimmt den Faden des Erzählers auf und erschrickt vor einer schwarzen Wolke, die aufgeht und die Erde mit rotem Blut tränkt. Trügerische Verräterei der Bojaren richtet sich gegen die Macht des Zaren und führt zum Krieg. Immer wieder wiederholt der Chor diese furchtbare Ankündigung.

2. Marsch des jungen Iwan
Der Erzähler führt aus, dass der große Prinz für die Welt die Attribute eines Botschafters haben wird. Er wird klären, wem Moskau Tribut zu zahlen hat; es wird weder die Hanse sein, noch werden die Livländer etwas bekommen. Iwan Wassiliewitsch, für seine Zeit ist er der große Zar von Moskau. Die Hilfe, die er benötigt wird er nicht bekommen. Der furchtbare Engel der Apokalypse zerquetscht die Welt mit einem einzigen Fußtritt.

3. Der weite Ozean
Der Chor und eine Altstimme tragen eine Hymne auf den glorreichen Ozean vor. Gemeint ist offenbar die Ostsee, an der Handelsstädte entstehen werden, welche die Verbindung zur Welt herstellen sollen.

4. Ich werde Zar sein
Iwan setzt sich die Krone auf das Haupt. Regieren wird er ohne die Bojaren. Niemandem wird er Tribut zahlen. Die Küste ist nationales Erbe und gehört zu Moskau.

5. Gott ist groß
Gott, von seinen Heiligen umringt, ist groß, und Iwan ist Herrscher durch Gottes Willen.

6. Ein langes Leben für den Zaren
Gott wird den Zaren segnen! Die Krone macht ihm zum Herrscher von ganz Russland. Beenden wird er das Jahrhundert der schändlichen Herrschaft der Bojaren. Sein Arm zeigt Kraft; um seine Macht zu etablieren wird eine Truppe von ergebenen Scharfschützen ihn unterstützen. Diese werden nicht in das Militär integriert, sondern sich individuell zur Verteidigung des Zaren bereithalten, wenn dieser eine Kampagne gegen seine persönlichen Feinde befiehlt.

An den beträchtlichen Einkünften der heiligen Klöster wird der Zar partizipieren und sie an den Ausgaben für die erforderlichen Kriege beteiligen. Große Anstrengungen sind erforderlich, um alle Feinde zu unterwerfen. Wer opponiert wird die starke Hand des Zaren zu spüren bekommen. Die Einheit Russlands ist unantastbar.

7. Der Friedfertige
Die Quellen und Flussläufe der Wolga und der Dwina sind unter Kontrolle. Doch Russland ist wie ein Körper mit amputierten Gliedmaßen, solange die Küste des baltischen Meeres nicht vollständig in seiner Hand liegt. Von fremden Mächten werden sie kontrolliert. Russland ist der Gefangene einer dunklen Macht. Welche Sehnsucht hat der Zar nach dem großen blauen Wasser! Weggeschnappt von den Balten wurde, was den Vorfahren einst gehörte. Unter seiner Krone wird der Zar die baltischen Länder vereinigen, ihre momentane Dominanz ist von vorübergehender Natur.

Zwei römische Reiche wurden gestürzt, aber Moskau steht. Ein viertes Rom wird es nicht geben. Von nun an wird Iwan allein alle geistliche Macht in seinen Händen vereinen. Das dritte Rom ist das moskowitische Imperium.

Der Zar wird bewundert, und er ist mächtig. Ein langes Leben für den Zaren. Doch er greift mit seinen Händen nach den Reichtümern der Klöster. Für diese ruchlose Tat wird Gott auf das russische Volk Feuer vom Himmel fallen lassen.

8. Der Schwan
Alle Türen stehen ihm auf. Weit sind sie geöffnet für den weißen Schwan mit der glitzernden Krone. Der Zar zieht durch das Land. Ausschau hält er nach einer Braut. In den Zweigen der Eiche turteln die Tauben. Der Vielbegehrte studiert die Gemächer der feinen Damen. O holde Unschuld!

9. Über die Leichen der Feinde
Der Erzähler warnt, man flüstert, man gestikuliert auf den endlosen Korridoren des Palastes. Ein Gerücht geht um. Die Fensterrahmen erzittern und in den Häusern bricht das Feuer aus. Die Ufer der Moskwa stehen in Flammen.

Der Zar ergrimmt! Haben die Bojaren das Volk gegen ihn aufgehetzt? Versucht der Adel, Russlands Macht zu untergraben? Wenn Einzelne nicht Frieden halten, werden sie herausfinden, wie das Richtschwert für Ordnung sorgen wird.

10. Die Tartaren
Der Botschafter von Kasan erklärt den Krieg. Russland ist bereit, gegen die Tataren zu marschieren. Niederbrennen wird er ihre Häuser. Über die toten Körper seiner Feinde wird der Zar triumphieren.

Kasan hat den Vertrag mit Moskau gebrochen. Der Botschafter hat gesagt: Kasan marschiert gegen Moskau. Gott ist Zeuge, dass Russland den Krieg nicht will. Aber die Zeit naht heran, dass die Horden der Tataren russischen Boden zertrampeln. Auf nach Kasan!

11. Die Kanonenschützen
Die Straße ist lang bis Kasan und der Weg weit in die Steppe der Tataren. Das junge Volk von Moskau soll aufbrechen, Piken und scharfe Säbel mitnehmen. Installieren soll es die bronzenen Kanonen vor der Festung Kasan.

12. In Kasan
O bittere Pein. Die Steppe brennt, und geschleift ist die Stadt Kasan.

13. Iwan erbittet die Hilfe der Bojaren
Die Zeit wird einst kommen, dass der Zar die Erde verlässt. Er möchte dass sein Sohn die legitime Nachfolge antritt. Nicht für ihn bittet er, nicht für seinen Sohn, sondern für Russland. Persönlich angesprochen sind die Fürsten Iwan Schuiski, Peter Cheniatow, Simon Rostowski, Iwan Iwanowitsch, Turmuntai Pronski und Nimoi Obolenski.

14.Efrosinia und Anastasia
Efrosinia Staritskaja vergiftet die Zarina Anastasia.

15. Efrosinias Wiegenlied
Im Fluss, im eiskalten Wasser der Moskwa, schwamm ein schwarzer Biber. Er war bedeckt mit Schlamm. Efrosinia singt das Wiegenlied vom schwarzen Biber.

16. Iwan vor Anastasias Grab
Vor dem Grab Anastasias sucht der Zar Klarheit über sich selbst. Die Bojaren machen ihm Sorge. Sein Freud Andrei Kurbski ist zum polnischen König Sigismund geflohen. Will er sich die Zarenkrone aufsetzen? Iwans Optimismus siegt.

17. Chor der Opritschniks
18. Fedor Basmanovs Dialog mit den Opritschniks
19. Tanz der Opritschniks
Auf seine Leibgarde, die Opritschniks, kann der Zar sich verlassen. Sie schwören einen feierlichen Eid, jeden Widerstand mit Feuer und Schwert zu bekämpfen. Für die Größe Russlands werden sie streiten und dem Zaren den Sieg bringen.

20. Finale
Der Chor bestätigt in einem feierlichen Hymnus, dass rauchenden Ruinen den Weg weisen und der Zar über den toten Körpern seiner Feinde triumphieren wird.


Letzte Änderung am 26.12.2016
Beitrag von Engelbert Hellen