Baldassare Galuppi (1706-1785):

La Caduta di Adamo

deutsch Adams Fall

Allgemeine Angaben zum Oratorium

Uraufführung: 1747 in Rom
Besetzung: 4 Singstimmen, Streicher, zwei Hörner und Continuo

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[Details]
La Caduta di Adamo (Oratorium) (Apex, ADD, 1985/1976)
Baldassare Galuppi (1706-1785)

Künstler: Mara Zampieri, Ernesto Palacio, Susanna Rigacci, Edoardo Farina, I Solisti Veneti, Claudio Scimone

Zum Oratorium

Art: Oratorium in zwei Teilen nach Genesis (3. Kapitel)
Libretto: Granelli
Sprache: italienisch

Handlung

Erster Teil:

Eva hält sich irgendwo im Paradiesgarten versteckt. Wo ist sie geblieben? Adam vermisst ihre Nähe, hat Sehnsucht nach ihr und sucht sie überall verzweifelt. Ach, sie hatte ihn verleitet, in die Frucht der Erkenntnis zu beißen, die beiden verboten war. Jetzt sieht er überall nur Trübsal. Erde, Himmel, Blumen, Gras, Wasser; alles langweilt ihn, was ihm sonst lieb und teuer war. Selbst die Luft, die er atmet, liegt schwer auf seiner Brust. Er möchte ihr sein aufgewühltes Inneres beschreiben. Aber wo ist sie?

Seine bedrängte Seele empfindet die Last seiner Schuld. Sein Blut ist in Aufruhr und sein Herz schlägt zum Zerspringen. Er hat Schmerzen und Ängste, die ihm noch unerklärlich sind. Eva erfüllt ihn mit nie gekanntem Kummer. Ihm wird heiß und kalt. Vielleicht hat sich sogar sein Geist verwirrt, denn die zärtlichen Gefühle für sein Weib lassen nach.

Eva kommt aus der Deckung: Lieber Gatte, mir geht es nicht viel besser als dir, ich empfinde dieselbe Bedrängnis wie du. Nicht um Liebe und Vertrauen bittet sie ihn, sondern sie hat Zukunftsängste und sucht seinen Rat. Wäre er bei ihr gewesen, als die listige Schlange erschien, hätten beide jetzt keine emotionalen Probleme miteinander und er wäre treu und gerecht.

Welchen Unsinn redet sie da von der Schlange. Ist sie etwa von ihrem Giftzahn verletzt worden. Nein, körperlich ist ihr nichts geschehen, aber ihr Betrug hat sie verletzt.

Adam hört ein Geräusch. Jemand hat seine Sieben-Meilen-Stiefeln angezogen und ist im Anmarsch, Die Erde erzittert und Adam möchte sich verstecken.

„Adam, wo bist du“ ertönt die Stimme des Engels der Gerechtigkeit. Warum muss der Himmelsbote solch einen Lärm machen? Hoffentlich geht die Sache gut aus. Kann man auf Verständnis hoffen? Zu spät zum Flüchten! Es ist keine Höhle in der Nähe.

Der Engel der Gerechtigkeit hat die volle Beleuchtung eingeschaltet. Ein weiterer Engel folgt ihm auf dem Fuße, nicht minder strahlend. Es ist der Engel der Barmherzigkeit. Die ersten Menschen kannten nicht die Vorzüge einer Sonnenbrille und müssen die Augen mit der Hand abdecken, um einer Netzhautentzündung vorzubeugen. Beide Engel geraten in Hitze, aber man bemüht sich um Sprachkultur. Wie soll die Sache nun ausgetragen werden. Es besteht Unschlüssigkeit. Was ist angebracht, Härte oder Milde?

Die beiden Undankbaren – es handelt sich um die Angeklagten Adam und Eva – haben in ihrer Dummheit die Herrlichkeit Gottes nicht begriffen und sein Gebot übertreten, eine bestimmte Obstsorte zu meiden. Der Engel der Gerechtigkeit übernimmt die Funktion eines Staatsanwaltes. Er trägt seine Beschuldigungen vor. Der Verteidiger - es ist der Engel der Barmherzigkeit – hofft, dass der Hüter des Gesetzes und der Gerechtigkeit nicht als treuer Vollstrecker des göttlichen Zorns auftritt. Der Allmächtige hat ihn nicht aus Himmels Höhen herabgesandt um zu züchtigen, sondern im Aktenköfferchen sollten auch Aussicht auf Vergebung und Frieden eingeschlossen sein.

Der Engel der Barmherzigkeit argumentiert sehr geschickt. Ersttäter sollten Bewährung und nicht sogleich die volle Strenge des göttlichen Richters zu spüren bekommen. Die Möglichkeit der Reue muss angeboten werden. Nur Engel sind vollkommen und Menschen hinken dieser Tugend hinterher. Diese Unterscheidungsmöglichkeit sollte absolut gewahrt bleiben, damit dem Allmächtigen in der Existenz menschlicher Schwächen ein würdiger Gegenstand des Mitleids und Verzeihens zur Anwendung verbleint. Wegen dieser Eigenschaft werden die Menschen in ihren Gotteshäusern zukünftig den Allmächtigen loben, denn Lobpreisung und Dank empfängt der himmlische Vater gar zu gern.

Man beschließt, die Sache zu vertagen. Wenn dies die Hoffnung des Engels der Barmherzigkeit ist, wollen die beiden göttlichen Wesen beim Gesetzgeber noch einmal Rücksprache nehmen, damit er entscheide, was gerecht und was barmherzig ist und inwieweit man beides miteinander vermengen kann. Der Verteidiger hat Hoffnung für seine Mandanten. Schon fühlt er voll süßer Hoffnung, wie seine Schwingen sich rühren.

Komm, lass und fliegen! Gott ist gerecht wie ein Vater und voll Mitleid wie eine Mutter. Aber wird er sein Urteil wiederrufen. Kann er seiner angeborenen Milde entsagen? Die beiden Engel streiten sich unentwegt. Göttlich ist beides: Der Zorn und das Mitleid.


Zweiter Teil:

Die beiden Missetäter verharren in Angst, wie der göttliche Beschluss nun letztendlich ausfallen wird. Adam klagt, sein Verstand sei blind, sein Herz taub, die Knie sinken und der Fuß strauchelt. Es war die Gattin, die Gott ihm zugesellt hat, welche ihn verführte und die bittere Frucht aus teuren Händen reichte. Er selbst hatte nicht einmal Appetit auf Äpfel und nur weil er seine Frau liebte, hat er zugegriffen. Die Hand seiner Eva, die er immer noch im Herzen trägt wurde zur Waffe und hat ihn besiegt.

Die falsche Schlange, so trägt Eva vor, habe sie umgarnt und verraten. Was habe ihr diese Schmeichlerin nicht alles versprochen, wie kunstreich ging sie zu Werke. Und endlich nahm sie, eine schwache Frau, den Apfel, verwirrt, verlassen, unsicher, verängstigt, betrogen und vorwitzig.
Nach dem Biss in die Frucht war sie vor Schrecken gelähmt und der Tag verdunkelte sich vor ihren verwirrten Augen. Der Engel der Barmherzigkeit unterstützt die Beschuldigte, alles auf den Giftzahn der listigen Schlange abzuwälzen.

Schluss mit der Vernehmung. Der Herr lässt ausrichten, dass er es vorzieht, ein Exempel zu statuieren. Er nimmt beiden die Unsterblichkeit. Erde sind sie und zu Erde werden sie einst werden. Jede Stunde kann ihre letzte sein. Adam hat keine Ahnung, was das zu bedeuten hat und hält es für angezeigt, in jedem Fall um Vergebung zu flehen. Bittere Tränen fließen in Strömen. Schmerzliche Seufzer rühren den Himmel.

Auch Eva bekommt ihren Teil ab. Die Liebe des Gatten ging ihr verloren. Wie wird sie den zukünftigen Kindern ihre Schuld erklären. Wer wird ihr Schutz bieten im Kampf um das tägliche Leben? Beide müssen sich mit ihrem Schicksal abfinden.

Das Urteil wird sofort rechtskräftig. Aus den Gartenanlagen werden die beiden Frevler vertrieben. Mit flammendem Schwert jagt der Racheengel sie in Richtung Hauptausgang.

Evas Schicksal ist es, viel zu weinen. Und Adam wird bei der Arbeit schwitzen. Grausame Erde und bittere Ufer werden sie vorfinden und ihre Schrecken erdulden. Vielen Menschen ergeht es bis heute so ähnlich.

Die beiden Engel können ihre Positionen nicht miteinander in Einklang bringen und schwören sich auf Opposition ein. Was der eine zerstört wird der andere versuchen, zu reparieren. Ein Dualismus, der sich fortschraubt bis in heutige Zeiten. Aber der Engel der Barmherzigkeit wird den Menschen durch die Jahrtausende ein Beschützer sein, auf der Erde weilen und wo Bedrängnis sich ausbreitet zur Stelle sein.

Beschreibung

Von 27 Oratorien, die Baldassare Galuppi schuf, ist „La Caduta die Adamo“ das sechste Werk dieser Gattung. Über Carissimi, Stradella, Vivaldi und A. Scarlatti setzte er die Tradition der großen biblischen Oratorien fort. Während der Fastenzeit waren in seiner Heimat Opern nicht erlaubt. So bot sich das Oratorium, welches Texte vorzugsweise der Bibel entnahm, den musikfreudigen Italienern eine Ausweichmöglichkeit. Die Texte waren meistens in lateinischer, aber auch in italienischer Sprache verfasst. Aus den Heldensagen der griechisch-römischen Antike wurden ebenfalls gern Libretti geschmiedet.

Da eine optische Darstellung oder Inszenierung der Werke entfiel, konnten als Aufführungsorte Kirchen, Konservatorien, Klosterschulen, Lyzeen und Krankenhäuser als Austragungsort genutzt werden. Gesungen wurden die handelnden Personen entweder nur von Männern oder nur von Frauen, und richtete sich danach, ob das Institut maskulin oder feminin dominiert wurde.

Grundsätzlich steht aber in neuerer Zeit einer szenischen Darstellung von Oratorien nichts im Wege, wenn der Handlungsablauf dies anbietet.


Letzte Änderung am 30.10.2005
Beitrag von Engelbert Hellen